An die Staats- und Regierungschefs
Belgiens, Deutschlands, Frankreichs, Italiens,
Luxemburgs und der Niederlande
Die Europäische Union ist nicht in der Lage, auf die Herausforderungen zu reagieren, die sich nun den europäischen Bürgern stellen. Kleine Nachbesserungen auf institutioneller Ebene und der Versuch, Europa neue Zuständigkeiten zuzuweisen, ohne ihm aber die zur Verwaltung der Institutionen erforderliche Souveränität zu übertragen, können die Union nicht wirksamer machen und erhöhen auch nicht ihre demokratische Legitimität.
Die Zukunft Europas hängt nunmehr vom Willen einiger Länder ab, binnen kurzem eine Europäische Föderation zu gründen.
Die folgenden Worte Jean Monnets in seinem Memorandum aus dem Jahre 1950 sind wieder aktuell: „Welchen Weg wir in der heutigen Welt auch gehen, wir treffen stets auf Sackgassen…. Wir müssen den Lauf der Dinge ändern…. Aber Worte sind nicht genug. Nur sofortiges Handeln an entscheidender Stelle kann die aktuell festgefahrene Lage ändern. Wir brauchen tief greifendes, echtes, sofortiges und dramatisches Handeln, das Änderungen herbeiführen und die Hoffnungen verwirklichen wird, an die die Völker schon nicht mehr glauben".
Die Verantwortung für ein solches tief greifendes Handeln liegt bei den Gründerstaaten. Ihnen fällt die Aufgabe zu,
- den Aufbau Europas außerhalb der bestehenden Verträge neu zu beleben, die längst keinen Spielraum für Fortschritte im föderalen Sinne mehr bieten;
- einen föderalen Pakt zu unterzeichnen, mit dem die Staaten, die dazu bereit sind, die Souveränität in den Bereichen Militär und Außenpolitik auf Europa übertragen;
- die Verpflichtung zu übernehmen, eine Verfassung gebende Versammlung einzuberufen, zu der in den Ländern, die den Pakt unterzeichnet und ratifiziert haben, Wahlen stattfinden müssten und die den Auftrag hätte, die Verfassung des Europäischen Bundesstaates auszuarbeiten, dem alle die Länder, die dies wünschen, beitreten könnten.